FOCUS ON GROWTH HACKING

WIR HACKEN UNS ZUM GLÜCK

Österreich soll Gründerland Nr. 1 in Europa werden. Dieses ehrgeizige Ziel haben sich neben dem Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (vormals Wirtschaftsministerium) noch zahlreiche weitere Initiativen gesetzt. Anspruch und Wirklichkeit gehen bislang aber recht weit auseinander. Noch ist Österreich nicht zu einer Startup-Nation geworden – der Einfluss der Szene ist allerdings schon jetzt deutlich zu spüren.

STARTUPS VERÄNDERN DAS UNTERNEHMERISCHE PANORAMA

Startups sind inzwischen weit mehr als nur ein mediales Phänomen: Sie sind relevante unternehmerische Mitspieler. Ob ihrer Größe sind Startups wendiger, flexibler und budgetbedachter, wodurch sie andere Wege als etablierte Unternehmen gehen können. Denkweisen und Konzepte, die in der Startup-Landschaft zum Alltag gehören – von Business Model Generation über Lean Management bis hin zu Rapid Prototyping – finden immer stärker den Weg in den Corporate- und Agentur-Bereich. Ein wichtiges Konzept, das immer mehr Anhänger findet, ist Growth Hacking.

Auch wir als Agentur stellen uns die Frage, wie wir mit dem Thema Growth Hacking umgehen. Dabei beschäftigen uns vor allem zwei Punkte:

  1. Wie sehr muss sich eine Agentur verändern, um Growth Hacking zu betreiben bzw. anzubieten?
  2. Ist es strategisch vielversprechend, 2018 als Agentur in Österreich auf Growth Hacking zu setzen?

WHAT THE HACK?

Growth Hacking ist kein zusätzliches Toolset, das man „einfach so“ in sein Portfolio aufnimmt. Es ist vielmehr ein Mindset, das sich quer durch den Agenturbetrieb ziehen muss. Bei Growth Hacking geht es nicht darum, ein neues Modewort für datengetriebenes Online-Marketing zu pushen, sondern Entscheidungen auch im Marketing daten- und faktenbasiert zu treffen. Im Kern stehen dabei Experimentierfreude und die Entwicklung eines formalen, wiederhol- und testbaren Prozesses für Wachstum. Außerdem unterscheidet sich Growth Hacking von Marketing dadurch, dass ersteres vor allem aus dem Produkt heraus erfolgt. Growth Hacking ist Marketing, das schon in der Produktentwicklungsphase in das Produkt „eingebaut“ wird.

GROWTH HACKING FÜR ALLE?

Growth Hacking hat einen weiteren großen Effekt auf Agenturen. Jenes „data mindset“ im Zentrum der Methode steht gleichzeitig dem sonst üblichen „creative mindset“ im Marketing gegenüber. Der kreative Prozess ist das ureigene Charakteristikum jeder Werbe-, Marken- und Digitalagentur. Growth Hacking verändert den Kreativprozess, wie wir ihn kennen und über viele Jahre betrieben haben. Damit Unternehmen als echte Growth-Hacking-Agenturen wahrgenommen werden, müssen Abläufe zu daten-getriebenen Kreativprozessen weiterentwickelt werden. Der Prozess bleibt kreativ, das Attribut „daten-getrieben“ weist aber darauf hin, dass der User bzw. die Userin verstärkt als finale Entscheidungsinstanz betrachtet werden.

Beispielhaft ausgedrückt: Feedback und Verhalten der Userinnen und User werden darüber entscheiden, welche Form der Illustration verwendet wird, ob ein Bild auf einem blauen oder roten Hintergrund liegt und ob Buttons rund oder eckig sind.

“Growth Hacking verändert den Kreativprozess, wie wir ihn kennen und über viele Jahre betrieben haben.”

Einige Agenturen verfügen heute schon über die grundlegenden digitalen Skills, die es für Growth Hacking braucht: etwa das Aufsetzen von A/B Testings oder die umfassende Aufbereitung von Analytics-Ergebnissen. Um Growth Hacking in bestmöglicher Form umzusetzen, dürfen diese Dinge aber nicht neben dem Kreativprozess passieren, sondern müssen in diesen integriert werden. Das angesprochene Data Mindset muss in der Agentur institutionalisiert werden, was bedeutet, dass es sich quer durch alle Bereiche zieht und der Fokus auf Wachstum zum kleinsten gemeinsamen Nenner wird. Hier müssen Agenturen eine intensive Phase der Entwicklung durchlaufen, bis sie sich als echte Growth-Hacking-Agenturen bezeichnen können.

THE ULTIMATE SOLUTION?

Wie zielführend ist es nun für Agenturen, sich voll und ganz dem Growth-Hacking-Mindset zu verschreiben? Langfristig wird dieser Wandel auch in die Corporate-Welt einkehren. Bis dahin kommt es für Agenturen, insbesondere für etablierte, darauf an, mit Bedacht auf den „Growth-Hacking-Zug“ aufzuspringen. Zwei pragmatische Gründe sprechen für etwas Vorsicht im Umgang mit Growth Hacking.

Es braucht die passende Kundensubstanz. Und wo ist diese zu finden? Aktuell befinden wir uns in Österreich in einer wirtschaftlichen Zwickmühle. Auf der einen Seite gibt es Kunden, die das richtige Mindset für Growth Hacking mitbringen – dazu zählen vor allem die Startups des Landes. Gleichzeitig sind diese oft nicht die großen Umsatzbringer.
Auf der anderen Seite fehlt es den Corporates, die das notwendige finanzielle Rüstzeug haben, oftmals an der datengetriebenen Einstellung, die für Growth Hacking notwendig ist. Das ist auch völlig natürlich: Growth Hacking erfordert ein fundamentales Umdenken, wie Marketing in Unternehmen betrieben wird. Und eine solche Entwicklung passiert nicht von heute auf morgen.

“Der Growth Hacker als Hybrid zwischen Entwickler und Marketer ist noch selten – und es wird etwas dauern, bis man häufiger auf ihn trifft.”

Überzeugte und erfahrene Growth Hacker sind noch „Mangelware“. Aktuell stellen sie eher die Ausnahme und nicht die Regel am österreichischen Marketer-Markt dar. Wir befinden uns erst in einer Frühphase, in der sich junge Menschen zunehmend für den Weg als Entwickler entscheiden. Der Growth Hacker als Hybrid zwischen Entwickler und Marketer ist noch selten – und es wird etwas dauern, bis man häufiger auf ihn trifft.

Für uns bei FOON steht jedenfalls fest: Egal, wann der Growth Hacking Hype so richtig Fahrt aufnimmt, bis dahin müssen alle Hausaufgaben gemacht sein, die für den Aufsprung nötig sind.

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