JUST ANOTHER STARTUP-BLOG?

Nimmt man die mediale Aufmerksamkeit als Gradmesser, dann sind Startups, diese Einhorn-reitenden Jungunternehmen, der vermutlich heißeste Scheiß der vergangenen Jahre in der heimischen Wirtschaftswelt. Kaum ein Wirtschaftsmagazin, das nicht über sie spricht. Kaum ein Politiker, der sich nicht gerne mit den JungunternehmerInnen ablichten lässt. Was in den USA schon seit vielen Jahren existiert, ist bei uns in den vergangenen Jahren sukzessive gewachsen – eine lebendige Startup-Szene. In Wien, Graz, Linz und der restlichen Alpenrepublik ist diese Szene aber nicht nur gewachsen, sondern vor allem auch erwachsen geworden. Eine erste Phase der Romantik („Jeder von uns kann, nein, WIRD der nächste Mark Zuckerberg werden!“) haben wir erfolgreich hinter uns gelassen. Der Fokus der Startup-GründerInnen wurde durch diese „Ent-Romantifizierung“ geschärft, und damit auch ihre Ideen, Konzepte und Strategien.

Grund genug – möchte man meinen – dass auch wir jetzt mit unserer eigenen Kolumne über Startups beginnen. In den kommenden Wochen und Monaten wollen wir Themen aufgreifen, die Agenturen und Startups gleichermaßen beschäftigen, und damit unterstreichen, dass diese Kolumne für uns mehr ist als nur der Sprung auf den Startup-Zug oder das wagemutige Reiten der Startup-Hype-Welle.

Treu nach Giovanni Trapattoni: „Was erlauben FOON?“

Was befähigt uns, über Startups zu schreiben? Wir meinen, zwei Dinge. Zum einen kennen wir die Zusammenarbeit mit Startups bereits aus unseren eigenen Kundenbeziehungen. Diese Kolumne entstand auch aus unserem Alltagsgeschäft heraus. Immer häufiger arbeiten wir mit jungen UnternehmerInnen zusammen, manche von ihnen „Startups“ im eigentlichen Sinn (innovatives Geschäftsmodell, ausgerichtet auf Wachstum), andere eher klassische Jungunternehmen. Egal, ob Startup oder Jungunternehmen (hier wird in Österreich leider nur selten unterschieden), sie teilen häufig die gleiche Mentalität. Diese Kunden sind für uns etwas Spezielles, denn sie beeinflussen auch, wie wir als Agentur arbeiten.

Zum anderen durfte ich selbst rund zweieinhalb Jahre lang für das Marketing eines Grazer Startups verantwortlich sein, bevor ich im Mai dieses Jahres die Seiten gewechselt und in der Agentur angeheuert habe. Die zweieinhalb Jahre waren eine unfassbar lehrreiche Zeit: Das Lernen einer neuen Sprache (von der „Disruption“ über das „Pivoting“ bis hin zum „Cap Table“). Der mühsame Weg von der Idee zum Produkt. Die Herausforderung, Investoren bei Laune zu halten. Das Leben mit einem Planungszeitraum, der immer nur wenige Monate in die Zukunft reicht, weil am Horizont das Geld auszugehen droht. Die Erfolge, die man gemeinsam feiert und die Fehler, die man gemeinsam begeht. All diese Dinge haben geholfen, ein gutes Bild davon zu bekommen, was es heißt, Teil eines Startups zu sein und zu verstehen, welche Bedürfnisse Startups haben.

Das Streben nach Veränderung

Was fasziniert uns alle so an Startups? Einerseits ist es der Glaube an Veränderung, den viele Startup-GründerInnen teilen. Startups wollen in der Regel nicht einfach nur erfolgreich sein, sondern auch den Status Quo verändern. Und dieser Glaube an Veränderung ist etwas sehr Wertvolles. Startups sind ein großer Gewinn für unser Land, unabhängig von ihrem individuellen Erfolg.
“Wenn vieles in unserem Land auf Stillstand ausgerichtet ist, dann benötigt es Menschen, die mutig etwas Neues wagen und auf Veränderung setzen. Andererseits sind es natürlich auch die Erfolgsgeschichten, die Startups schreiben und die die Menschen faszinieren.”Leider bleibt bei all der Faszination häufig unbeachtet, dass die große Mehrheit aller Startups diese großen, medienwirksamen Erfolge nie erreichen wird, denn nicht an jeder Straßenecke wartet die nächste Billion-Dollar-Idee.

Als Agentur faszinieren uns Startups, weil sie mit ihrer Mentalität auch unsere Arbeitsweise verändern. In der Phase der Corporate Identity und Corporate Design Entwicklung müssen wir die Marken, die wir kreieren, üblicherweise bereits weit denken um auf Veränderungen in der Zukunft vorbereitet zu sein. Deshalb konzentriert man sich bei der Markenentwicklung auf den Kern des Unternehmens, da sich dieser in der Regel nicht wesentlich verändert.

In unserer Zusammenarbeit mit Startups besteht die besondere Herausforderung darin, dass Veränderungen zum Tagesgeschäft gehören. Je früher die Zusammenarbeit mit einem Startup ansetzt, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass das Produkt oder das Geschäftsmodell noch größere Veränderungen durchlaufen wird. Je früher die Zusammenarbeit, desto flexibler muss die Agentur arbeiten. Aus diesem Grund achten wir in der Markenentwicklung darauf, dass auch die Marken selbst Spielraum für Entwicklung haben. Es gilt, insbesondere in der Frühphase eines Startups, die Marke nicht zu spitz, sondern offen und flexibel zu denken, damit im Falle einer Änderung des Geschäftsmodells oder der Produktfunktionalität nicht die gesamte Marke neu gedacht und neu entwickelt werden muss. In diesen Phasen müssen wir den Startups als Berater zur Seite stehen und sie von den Vorteilen einer offeneren Markenentwicklung überzeugen. Insbesondere brauchen wir Kreativzyklen mit kürzeren Abstimmungsphasen.

Dieses Beispiel alleine zeigt, welchen Einfluss Startups auf unsere Arbeit haben. Unsere neue Kolumne richtet sich zukünftig an Startups und Agenturen gleichermaßen. Und generell an all jene, die vom Thema fasziniert sind und noch mehr darüber lesen wollen. Die Kolumne richtet sich aber auch an uns selbst – an unser Team bei FOON. Sie konserviert, was wir über Startups wissen und was wir Tag für Tag aufs Neue durch unsere Zusammenarbeit mit Startups lernen. Wir glauben, Startups brauchen starke Partner, die sie dabei unterstützen, den nächsten Schritt gehen zu können. Sei es im Design, in der Strategie und bei Performance-Themen. Als Agentur wollen wir genau dieser Partner sein, damit der Wellenritt der Einhorn-reitenden Startup-GründerInnen möglichst erfolgreich wird. Unsere Surfbretter sind gepackt.

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