Titelbild Startups2

„STARTUPS BRAUCHEN ZUGANG ZU ECHTEM EXPERTENWISSEN“

Das fünfköpfige Team von hiMoment hat mit ihrer gleichnamigen Mobile App eine Methodik entwickelt, die ihren Userinnen und Usern hilft, ein glücklicheres Leben zu führen. Im Interview mit FOON spricht hiMoment-Gründer Christoph Schnedlitz unter anderem über seine persönliche Entwicklung in den letzten 12 Monaten, die Zusammenarbeit mit Agenturen und die österreichische Startup-Szene.

FOON: Christoph, du hast gemeinsam mit deinem Co-Founder Jan Hrubý vor etwas mehr als einem Jahr mit hiMoment gestartet. Wie hat dich dieses Jahr verändert?

Christoph Schnedlitz: Ich arbeite deutlich mehr als zuvor und hab‘ auch mehr Druck. Aber es ist spannend zu sehen, dass trotz all dem Stress der Spaß und die Freude nicht weniger geworden sind. Im Gegenteil – Spaß und Freude haben zugenommen. Es hat uns alle natürlich riesig gefreut, dass es mit der Finanzierungsrunde geklappt hat. Dadurch ist es für uns möglich, an einem Produkt zu arbeiten, an das wir voll glauben. Es war auch spannend mitzuerleben, als wir mit hiMoment über die Wahrnehmungsschwelle getreten sind und ich plötzlich auf der Straße von Unbekannten angesprochen wurde. Hier hat natürlich unsere Teilnahme bei 2 Minuten 2 Millionen wesentlich dazu beigetragen. Gleichzeitig hatte ich mir aber vor einem Jahr auch viele Dinge noch deutlich leichter vorgestellt, vor allem im Bereich Marketing. Wir haben es sicherlich unterschätzt, wie aufwendig es ist, eine Audience aufzubauen. Hier haben wir aber auch viele Dinge lernen können.

FOON: Was schätzt du am meisten an deinem Leben als Startup-Gründer?

Christoph: Es klingt vielleicht klischeehaft, aber ich kann an etwas arbeiten, an das ich voll glaube. Ich wollte schon immer schöpferisch tätig sein und etwas erschaffen – meinem Wunsch nachgehen und zu einer besseren Gesellschaft beitragen. Für etwas zu kämpfen, das einen besonderen Sinn für jemanden hat, ist auch ein zentraler Aspekt in der Glücksforschung.

FOON: Wie sieht dein Alltag aus?

Christoph: Er ist stark geprägt durch einen Arbeitstag, der recht früh startet und in der Regel erst später am Abend endet. Unter der Woche versuche ich auch immer wieder, bei Netzwerk-Events dabei zu sein. Auch am Wochenende arbeite ich meistens an hiMoment, nur dann meistens entspannt im Pyjama (lacht). Gleichzeitig ist es mir wichtig, gewisse Routinen zu bewahren. Zweimal in der Woche ein Workout und zumindest einmal in der Woche der Kontakt und der Austausch mit meinen Freunden – diese Dinge sind mir äußerst wichtig.

FOON: Ihr habt euch mit hiMoment zum Ziel gesetzt, euren Userinnen und Usern eine Methode mitzugeben, die es ihnen ermöglicht, ein glücklicheres Leben zu führen. Worin liegt für dich der Schlüssel, um genau dieses glückliche Leben zu führen?

Christoph: Im Grunde sind es drei Dinge, die für ein glückliches Leben notwendig sind. Zum ersten sind es starke Beziehungen, die man im Leben hat. Egal ob zum Partner oder zu Freunden, diese Beziehungen müssen aufgebaut, gepflegt und geschätzt werden. Zweitens ist es der „Purpose“, also der Sinn in dem, was ich tue, der uns hilft glücklich zu sein. Und drittens geht’s darum, das Glück im Alltag zu finden und nicht auf die großen Momente zu warten. Mit hiMoment setzen wir vor allem bei diesem letzten Punkt an.

FOON: Wo siehst du die größten Herausforderungen für die zukünftige Entwicklung von hiMoment?

Christoph: Es sind vor allem zwei Dinge. Beide haben mit unseren Usern zu tun. Zum einen ist es eine Herausforderung, möglichst viele Nutzer auf die App aufmerksam zu machen. Wir müssen Interesse erzeugen. Zum anderen besteht eine große Herausforderung darin, dass wir mit hiMoment gegen einen Trend ankämpfen. Viele Apps und Kanäle, die wir alle so in unserem Alltag nützen zielen auf „instant gratification“ ab. Das bedeutet, dass die Userinnen und User für die Momente, die sie teilen, sofort Feedback in Form von Likes, usw. bekommen. Diese instant gratification ist jedoch ein Feind für unser langfristiges Glück. Entscheidend ist, die glücklichen Momente immer wieder in Erinnerung zu rufen und zu durchleben. hiMoment macht unter anderem genau das. Ich werde an Momente erinnert, auf die ich sonst schon komplett vergessen hätte. Durch diese Methode trainieren wir auch, unsere Aufmerksamkeit auf die vielen kleinen, glücklichen Momente in unserem Alltag zu richten.

FOON: Wie siehst du die aktuelle Entwicklung der österreichischen Startup-Szene?

Christoph: Ich glaube wir befinden uns im Moment in einer sehr spannenden Zwischenphase. Mit Runtastic, MySugr und Shpock kann die österreichische Szene erste erfolgreiche Exits verzeichnen. Es gibt noch einige weitere Ideen mit sehr hohem Potential – beispielsweise TourRadar. Jetzt wird sich allmählich zeigen, ob es sich bei den erfolgreichen Exits eher um Zufallstreffer gehandelt hat, oder ob wir tatsächlich ein funktionierendes Startup-Ökosystem in Österreich aufgebaut haben.
Momentan beobachte ich aber mit Skepsis, was sich rund um das Thema Cryptocurrencies und ICOs entwickelt. Viele Startups verstehen die Cryptocurrencies mittlerweile als Finanzierungsquelle. Ich frage mich, wie nachhaltig dieser Hype ist. Hier bildet sich, meiner Meinung nach, eine echte Blase. Was passiert, wenn dieser Hype zusammenbricht? Inwieweit würde sich das auf die restliche Startup-Szene auswirken? Hier besteht definitiv eine Gefahr.

FOON: Immer mehr Agenturen haben Startups als Kunden in ihrem Portfolio. Was macht deiner Meinung nach Startups für Agenturen so interessant?

Christoph: Um ehrlich zu sein, kann ich diese Frage nicht wirklich beantworten. Große Unternehmen sind aus Business-Perspektive für Agenturen die besseren Kunden. Aber vielleicht ist die Arbeit mit Startups für Agenturen einfach spannender, weil die Agentur-Teams an der Entwicklung einer Idee mitwirken können.

FOON: Was können Agenturen von Startups lernen?

Christoph: Sicherlich die Flexibilität. Die Vorgaben von Startups sind oftmals weniger starr und die Zeitpläne etwas flexibler. Vielleicht werden Agenturen dadurch noch effizienter im Umgang mit den Kundenwünschen. Auch die Nähe zu Technologien ist für Agenturen bestimmt interessant und bringt sich auch inhaltlich weiter. Ich glaube aber, dass nicht nur die Agenturen von Startups lernen können. Startups lernen mindestens genauso viel von Agenturen. Insgesamt glaube ich, dass es ein ausgeglichenes Spiel ist: Agenturen und Startups lernen gemeinsam voneinander.

FOON: Wo siehst du den größten Bedarf an Agenturleistungen?

Christoph: Bei allen Dingen rund um die Themen Marketing & Growth. “Spezifisches Know-How können wir uns, wie wahrscheinlich viele andere Startups auch, nicht intern leisten. Startups haben meistens Generalisten im eigenen Team, die sich um das große strategische Bild von Marketing & Growth kümmern. Die Beratung und die Umsetzung liegt dann oftmals bei der Agentur. Im Development haben wir, mit Ausnahme von der Zusammenarbeit mit einzelnen Freelancern, bis jetzt weniger gute Erfahrungen mit Outsourcing gemacht.

FOON: Was ist für dich wichtig in der Zusammenarbeit mit Agenturen?

Christoph: Für mich ist das allerwichtigste, dass ich das Gefühl habe, dass die Leute, mit denen wir arbeiten, echt wissen, was sie tun. Dass ich es also wirklich mit Experten zu tun habe. Ich glaube, eine Agentur muss es schaffen, ihr Leistungsangebot professionell zu kommunizieren, um die Startups zu erreichen. Dauerhaft überzeugt werden die Startups dann durch das Expertenwissen. Was uns in der Zusammenarbeit wichtig ist, ist zu spüren, dass auf Agenturseite auch eine Leidenschaft für unsere Idee vorhanden ist. Wir wollen spüren, dass die Agentur auch Spaß daran hat, für uns zu arbeiten.

FOON: Wie müssen Agenturen zukünftig aufgestellt sein, um Startups bestmöglich zu helfen?

Christoph: Hmm… eine gute Frage. Ich glaube, Agenturen müssen in der Lage sein, einem Startup dabei zu helfen, visionär zu denken und herauszufinden, welchen Bestandteile für das Startup relevant sind und wie die Bestandteile zusammengesetzt gehören. Gleichzeitig brauchen die Startups den Zugang zu echtem Expertenwissen. Spezialisten sind meistens das, was am meisten geschätzt wird, aber sie reichen nicht aus. Es bedarf eines strategischen Gesamtbildes und eines operativen Plans – vom traditionellen Marketing, über digitale Trends bis hin zu Themen, die rein in unsere App greifen.

FOON: Zum Schluss – Was ist euer großes Ziel für 2018?

Christoph: Unsere Mission ist es, Menschen glücklicher zu machen, indem wir ihnen das erste vollständig algorithmische Coaching Framework liefern, das sie auf diesem Weg unterstützt. Und das möchten wir in diesem Jahr für 100.000 Menschen schaffen.

—–
Christoph Schnedlitz ist Co-Founder und CEO von hiMoment. FOON arbeitet gemeinsam mit hiMoment an der strategischen Ausrichtung des Unternehmens und am Design der hiMoment-Welt. Das Interview führte Stefan Adelmann von FOON.

Noch mehr FOON Spirit und News aus dem FOONIVERSE gibt es auf unseren Social Media-Kanälen:

Facebook
Instagram