Als Online Marketing Consultant mit Fokus auf Social Media befasse ich mich naturgemäß relativ frühzeitig mit den Entwicklungen auf diesem Markt. Hier geht es natürlich auch um die Identifikation von innovativen Social Networks. Manche bleiben Nischennetzwerke, andere wiederum nehmen die Überholspur und verändern gefühlt von heute auf morgen unser ganzes Leben.

Snap it like it’s hot: Marketing mit Snapchat

Als Online Marketing Consultant mit Fokus auf Social Media befasse ich mich naturgemäß relativ frühzeitig mit den Entwicklungen auf diesem Markt. Hier geht es natürlich auch um die Identifikation von innovativen Social Networks. Manche bleiben Nischennetzwerke, andere wiederum nehmen die Überholspur und verändern gefühlt von heute auf morgen unser ganzes Leben.

Als ich vor einigen Wochen auf einer Social Media Marketing Konferenz in München war, brach ich beinahe in Begeisterungsstürme aus: Ein Snapchat-Marketing-Vortrag stand auf dem Programm. Der Vortragende stellte einleitend eine interessante Frage: „Wer von euch versteht Snapchat?“ In einem Raum, in dem wohl großteils Online Marketing Beauftragte von Unternehmen oder Agenturen saßen, hob nur gefühlt die Hälfte der Anwesenden die Hand. Ich erzähle Ihnen das, damit Sie sich keine Sorgen machen, falls Sie Snapchat noch nicht verstanden haben – Sie sind nicht allein.

Die Funktionsweise

Snapchat gibt es eigentlich schon seit 2011. So neu ist das Ding also gar nicht. Aber das Potenzial, das die App für das Marketing innehat, wird uns zumindest im deutschsprachigen Raum erst jetzt so richtig bewusst. Zum allgemeinen Verständnis, darf ich kurz die Funktionsweise von Snapchat erklären: Der Dienst wird grundsätzlich auf Smartphones oder Tablets genutzt. Dabei haben User die Möglichkeit, Fotos oder Videos – die sogenannten „Snaps“ – an Freunde zu versenden. Die Snaps können zuvor noch mit Filtern, Effekten oder Texten versehen werden. Der Clou an der Geschichte: Die Nachrichten sind nur wenige Sekunden sichtbar und zerstören sich dann selbst. User können ihre Snaps aber auch ihrer eigenen „Story“ hinzufügen – dort sind sie je nach Privatsphäreeinstellung für 24 Stunden für alle sichtbar.

Die User

Snapchat verzeichnet derzeit acht Milliarden mobile Video-Views von 100 Millionen Usern – und das täglich. Dabei ist Snapchat vor allem bei jungen Menschen beliebt: 13- bis 34-Jährige sind die stärkste Zielgruppe. Demnach hat es mich auch gar nicht gewundert, dass meine 14-Jährige Cousine einer der wenigen Kontakte war, die Snapchat mir auf Basis meiner Telefonkontakte vorgeschlagen hat. Die Kids haben den Bogen raus und von der Art und Weise, wie intuitiv sie die App nutzen, kann sich mit Sicherheit der ein oder andere Erwachsene etwas abschauen.

Aber: Warum ist Snapchat gerade für junge Menschen so interessant? Ich habe dazu einen kurzweiligen Artikel mit dem Titel „A 15-year-old explains why teens are obsessed with Snapchat and Instagram is ‘over’“ im Business Insider gefunden, in dem es heißt:

“There’s no social pressure. No likes, no comments, just views that only you can see. It’s quick and easy. Open Snapchat and take a photo, add it to story. Now all your friends can be jealous in real-time that they couldn’t go to the party because they had to study like a good boy. Instagram is a lengthy process to say the least. It’s the place now. Instagram is getting a bit.. a bit.. a bit too old. I hate to say it, Snapchat is the hottest thing out and it’s where all your friends are constantly checking, they may check Instagram once or twice a day but they’re checking Snapchat 20 times a day. Ephemeral. When you’re about [sic!] post a [sic!] Instagram photo, you will feel this pressure. It’s a big event. When you’re adding a photo/video to Snapchat story, it’s seamless. Caption. There’s something so simple and eye catching with Snapchat’s captions that everybody loves. People would literally choose to share on Snapchat compared to Instagram just for the caption feature. You know who’s watching. Throughout high school or college, people like feeling cool, like sharing things that make them feel cool. Knowing who saw your post gives that person 10x confidence because the person that they wanted to see their post had to physically hold down their name to view what they posted. It’s complicated but if you’re teen savvy, you’ll get it.“

Was bedeutet das für’s Marketing?

Viele der Gründe, die der 15-Jährige Ishan in seinem Artikel für die Snapchat-Nutzung nennt, treffen eine gute Aussage darüber, warum Marken sich dieses Tool etwas genauer ansehen sollten.

  • Quick and Easy: Ist doch super! Sie brauchen für Snapchat weder einen High-End-Fotografen noch ein professionelles Video-Team – die App und ihre Nutzer ticken anders. Von Produktionsseite werden keine hohen Qualitätsanforderungen an den Content gestellt, Hauptsache er ist aktuell und gibt einen Einblick hinter die Kulissen.
  • Caption: Unternehmen brauchen für Snapchat-Inhalte nicht mal einen Grafiker. Die App bietet gute Möglichkeiten, Snaps zu bearbeiten. Diese sollten auch genutzt werden, denn: Sie sind von den Usern so gelernt und als Unternehmen sollte man dieses Spiel schon regulär mitspielen, um keine rote Karte auszufassen.
  • It’s the place now: Die Snaps werden nach einer gewissen Zeit gelöscht – da will man also nichts verpassen und schaut lieber einmal öfter in die App als einmal zu wenig. Aus eigener Erfahrung kann ich das bestätigen: Snapchat hat aufgrund der Vergänglichkeit der Inhalte schon ein gewisses Suchtpotenzial.
  • You know who’s watching: User müssen explizit die Storys anderer User ansteuern, um deren Snaps zu sehen. Sie werden also nicht damit zwangsbeglückt, sondern entscheiden sich konkret, die Snaps eines bestimmten Users zu sehen. Ist doch super, wenn User tatsächlich an Inhalten von Unternehmen interessiert sind und daher konkret auf deren Story klicken, um die Snaps zu konsumieren. Ein weiterer Pluspunkt: Für einen selbst ist ersichtlich, wer sich die Story angesehen hat. Somit ist es einfach, besonders treue Snapchat-Freunde zu identifizieren und im besten Fall mit ihnen zu interagieren.

Sie haben noch Ideen, um diese Liste zu erweitern? Bitte, immer her damit!

Zusätzlich zur „herkömmlichen“ Nutzung können sich Unternehmen übrigens mit Discover Channels oder Live Stories auch gegen Bezahlung prominent platzieren lassen.

Fazit: Was bringt Snapchat für Unternehmen?

© oneinchpunch/Shuttestock.com
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Sollte die Zielgruppe Ihres Unternehmens 13 bis 34 Jahre alt sein, dann wäre Snapchat vielleicht etwas für Sie. Immer mehr Unternehmen springen derzeit auf den Snapchat-Zug auf – die Konkurrenz schläft nicht. Aber je eher Sie damit beginnen, die App kennenzulernen, umso schneller verstehen Sie den Snapchat-Spirit und können Ihre Zielgruppe erfolgreich abholen. Allerdings habe ich da eine Bitte an Sie: vergraulen Sie die User nicht, indem Sie sie mit platten Werbebotschaften zupflastern. Nutzen Sie Snapchat, um aktuelle Neuigkeiten mitzuteilen! Aus meiner Sicht eignet sich die App für Unternehmen ganz besonders bei Themen wie Live-Berichterstattung, Einblick hinter die Kulissen oder für die Zusammenarbeit mit Influencern.

Sollten Sie nun immer noch nicht ganz auf dem Schirm haben, wie Unternehmen Snapchat nutzen können, dann erstellen Sie sich einen Account und fügen folgende Unternehmen als Ihre Freunde hinzu:

• Burberry: burberry

• Red Bull: redbull

• Audi: audi

• Amazon: amazon

Und, wenn Sie den Präsidenten der USA mal hinter den Kulissen begleiten wollen:

•  The White House: whitehouse

 

Und nicht vergessen: Follow us on Snapchat!

Both Interact SnapchatCode

 

Quellen

Brandwatch “5 Gründe, wieso sich Snapchat für das Marketing lohnt”: goo.gl/pnr8mn

Business Insider “A 15-year-old explains why teens are obsessed with Snapchat and Instagram is ‘over'”: goo.gl/vpORu1

Snapchat: goo.gl/ENkEmw

Spiegel.de “Snapchat: Facebooks Angstgegner”: goo.gl/6u8LV1

Statista “Snapchat”: goo.gl/h4ks4C

Statista “Snapchat Altersgruppen”: goo.gl/kVzJyf

Wikipedia “Snapchat”: goo.gl/LVWRqq